5 einfache Schritte zu mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

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Eins vorweg: ich bin keine Mutter Theresa. Wer hier lange mitliest weiß, dass ich viel bei so genannten „Fast Fashion“-Ketten kaufe.
Wer hier lange mitliest weiß aber auch: ich wähle, nutze und würdige diese Kleidungsstücke anders als der Otto Normalverbraucher. Nachhaltigkeit – nicht nur im Kleiderschrank – liegt mir sehr am Herzen. Seitdem ich Mama bin vielleicht sogar noch ein bisschen mehr!
Deswegen habe ich ausgiebig recherchiert und möchte euch heute 5 einfache Schriffe für mehr Nachhaltigkeit beim Thema Kleidung aufzeigen. Dabei ist jeder Schritt einfach anwendbar und kostet euch im Alltag kaum eine Minute mehr Zeit!


1. Shoppt Online

Es mag im ersten Moment komisch klingen: wie kann es umweltfreundlicher sein stundenlang im Internet zu surfen, (Server-)Energie zu verschwenden, via Diesel-Transporter mehrere in Plastik verpackte Kleidungsstücke zu probieren und am Ende eventuell vieles wieder zu retounieren?
Tatsache ist aber: verschiedenste US-Studien (hier, hier, hier und hier) haben errechnet, dass Onlineshopping die nachhaltigere Variante ist.

Das liegt vor allem daran, dass der Verbrauch an Benzin – um zu diesem oder jenem Shop zu fahren – höher ist, als sich alle in Frage kommenden Stücke nach Hause liefern zu lassen. Der Hermes- oder DHL-Lieferant fungiert quasi als öffentlicher Nahverkehr für eure Kleider und schmälert den CO2 Ausstoß.
Auch die Ansicht der ganzen Plastiktüten, denen man beim Onlineshoppig so begegnet, machen es schwer vorstellbar, dass diese Variante des Einkaufens tatsächlich besser sein soll. Seid euch aber sicher: bevor die Ware in den Store kommt, ist sie ebenfalls in Plastik gehüllt!

Trotzdem gilt: der ganze Effekt ist nur positiv, wenn ihr generell bewusster shoppen wollt und nicht 12 Sachen von 12 unterschiedlichen Onlineshops bestellt und am Ende auch noch 11 wieder zurückschickt! Da gilt mal wieder der Spruch von Vivienne Westwood: „Buy less, choose well!“

2. Achtet auf die Stoffe

Wer ganz einfach nachhaltiger Kleidung konsumieren möchte fängt am besten bei den Stoffen an. Zu vermeiden sind bestenfalls alle synthetischen Fasern, da diese aus Roh-Öl hergestellt werden. Wirklich einfach umzusetzten ist das aber nicht, da selbst ein paar gute Jeans anteilig synthetische Fasern enthalten.

Zur kurzen Übersicht sind die nachhaltigsten Stoffe:

  • Seide
  • Hanf
  • Leinen
  • Wolle

Ich bevorzuge in meiner Garderobe ebenfalls Naturmaterialien (allerdings auch Leder, Wolle, Seide – somit nicht vegan!- und Baumwolle) aber auch Materialien wie Viskose. Darüber habe ich mal in meinem Beitrag Meine liebsten Stoffe für die Capsule Wardrobe geschrieben.
Während meiner Recherche bin ich aber auf Trancel gestoßen: ein umweltfreundlicher Ersatz für Viskose, nach dem ich jetzt vermehrt Ausschau halten werde.
Außerdem gibt es die Möglichkeit Kleidungsstücke zu erwerben, bei denen die Kunstfasern aus recyceltem Material hergestellt wurden.

Generell hab ich die Hoffnung, dass wenn generell weniger konsumiert wird, sich die Produktionsbedingungen für alle Materialien dramatisch verbessern werden. Denn die umweltschädliche und grausame Herstellung (wenn Tiere für die Materialien herhalten müssen) der Stoffe resultiert hauptsächlich aus dem übermäßigen Konsum!
Trotzdem ist es für den Konsumenten auch jetzt schon ein Leichtes auf die zwei 100% Acryl-Pullover zu verzichten und stattdessen einen 100% Merinowollpullover zu kaufen.

3. Kauft Second-Hand (besonders bei Nachkäufen)

Second-Hand ist bei weitestem der einfachste und nachhaltigste Ansatz. Wer einen guten Shop in seiner Nähe hat, dem steht eine wahre Fundgrube der Nachhaltigkeit zur Verfügung! Shoppt so viel ihr wollt (aber Achtung nur so viel wie ihr wirklich braucht!) und das ganz ohne schlechtes Nachhaltigkeits-Gewissen.

Wer – wie ich – immer ein bisschen erschlagen von den meist vollgestopften Second-Hand-Läden ist, dem empfehlen sich Webseiten wie Kleiderkreisel, Mädchenflohmarkt oder Vestiaire Collective (für Designermode). Natürlich ist es dort dann schwieriger die genaue Größe zu treffen. Daher mein Tipp:

Versucht Dinge, die ihr nachkauft – wie ein Paar eurer Lieblingssneaker, eure Lieblingsjeans – online Second Hand zu kaufen.

Auch Taschen und andere Accessoires sollten vorzugsweise Second Hand gekauft werden.

Ich brauchte zum Beispiel eine neue Topshop Jeans (meine alte war nicht mehr aufzufinden) und da ich wusste welches Modell und welche Größe ich exakt brauche, war meine erste Anlaufstelle Kleiderkreisel. Leider war keine Hose in meiner Größe verfügbar. Aber ich hab es immerhin versucht.

Bei Klassikern wie Converse Sneakern – die stehen zum Beispiel ebenfalls auf meiner Liste – oder Taschen werdet ihr aber meist zu hundert Prozent fündig!

4. Probiert das Capsule Wardrobe Konzept

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Natürlich muss ich in diesem Beitrag die Capsule Wardrobe erwähnen. Ist ja klar, oder? Die Capsule Wardrobe ist ein reduzierter, genau auf eure Bedürfnisse und auf euren Stil zugeschnittene Garderobe, die Zeit, Geld und Ressourcen spart – die Regeln des Konzepts findet ihr hier.

Studien haben ergeben, dass der Otto Normalverbraucher tatsächlich nur 20% seines gesamten Besitzes an Kleidungsstücken trägt. Das beduetet: der Durchschnitt hat 80% an „Müll“ rumliegen. Kleidungsmüll, der produziert werden musste und nun keinerlei Verwendung hat.

Indem ihr eine Capsule Wardrobe aufbaut erhöht ihr den Anteil dessen was ihr tragt und reduziert den Müll. Außerdem werdet ihr zu wachsameren Konsumenten und kauft nur noch Dinge, die ihr wirklich braucht und liebt – generel bedeutet das: ihr kauft weniger und das ist gut für die Umwelt.
Das Capsule Wardrobe Konzept ist eine einfache Möglichkeit besser auszusehen und gleichzeitig nachhaltiger zu agieren, allerings ist dieser Prozess zugegeben etwas zeitaufwändiger als die anderen Schritte. Trotzdem: es lohnt sich – ich fahre seit fast 4 Jahren gut mit diesem System. Sieh dich doch ein bisschen auf dem Blog um – es gibt hier genug Beiträge zum Thema.

5. Schreibt den Firmen!

Wir als Konsumenten denken, dass unsere Stimme nicht zählt. Die Wahrheit ist aber: jedes Mal wenn wir etwas kaufen sagen wir JA!. Ja, zu dem schlecht produziertem T-Shirt. Ja, zu Mikroplatistik im Meer, weil es wieder der Acrylpullover sein musste.

Aber wenn wir schon nicht auf diesen gutaussehenden Acrylpullover verzichten können, dann schreibt doch eine E-Mail an die Firma.
Ungefähr so: „Hey, mir gefällt der Artikel XYZ, aber könnte man den nicht aus umweltfreundlicheren Stoffen wie zum Beispiel 100% (Schur-)Wolle machen. Wie wurde er produziert und wer hat ihn genäht?“

Die Firmen sind sehr erpicht darauf zu wissen, was den Kunden bei seiner Kaufentscheidung wirklich beeinflusst. Wenn mehr Leute kommunizieren, dass ihnen die Umwelt und die Produktionsbedingungen wichtig sind, kann das eine Auswirkung auf zukünftige Kollektionen haben.

Zusatztipp 6: Verwendet den Guppyfriend Waschsack gegen Mikroplastik im Abwasser

Ein Produkt, das ich via Social Media gefunden habe, ist der Guppyfriend Waschsack. Dieser soll tatsächlich die Mikroplastik, die aus synthetischen Stoffen bei jedem Waschgang ausgewaschen werden, abfangen.
Getestet haben den Waschbeutel das Deutsches Textilforschungszentrum Nord-West (DTNW) , das Fraunhofer Institut UMSICHT und die University of California in Santa Barbara als Teil des Patagonia Forschungsprogramms. Dabei kamen Sie zu folgendem Ergebnis:

Der Guppyfriend verhindert den Faserverlust beim Waschen auf zwei Wege:

1. Der Guppyfriend Waschbeutel reduziert die Anzahl der abgebrochenen Fasern drastisch. Tests des Fraunhofer Institut UMSICHT ergaben im Durchschnitt: a) 79% bei teil-synthetischer Kleidung b) 86% bei komplett synthetischer Kleidung. Die Kleidung ist also wesentlich länger tragbar.

2. Plastikpartikel, die beim Waschen verursacht werden, werden im Beutel festgehalten und verschmutzen somit nicht das Abwasser. Die Fasern wurden in allen Tests zu über 90 % – in den meisten Fällen 100% – zurückgehalten. Nanopartikel, meist Rückstände aus der Produktion, die insbesondere auf billigen Textilien zu finden sind, kann der Waschbeutel nicht zurückhalten.

-Quelle: http://guppyfriend.com/


Veränderung startet bei uns selbst!

Das sind nur kleine Schritte, die aber einen Unterschied machen können. Und vor allem sind diese Schritte einfach. Einfach umzusetzen, einfach zu beachten und einfach zu merken. Für viele dieser Schritte musst du fast nichts an deinem Einkaufsverhalten ändern.

5 Sekunden um den Browser anzumachen, statt in den Wagen zu steigen
10 Sekunden um das Label und die Stoffe zu checken
30 Sekunden um in der Kleiderkreisel-App nach der Tasche Second-Hand zu suchen

Du entscheidest!

Das könnte dich auch interessieren:

– inspiriert durch den Artikel „10 Things You Can Do to Shop More Sustainably

6 thoughts on “5 einfache Schritte zu mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

  1. Vielen Dank für deine Tipps, von denen ich schon einige umsetze. Für den Second-Hand-Einkauf möchte ich noch die Website ubup (Used but precious) ergänzen. Ich habe dort noch nicht eingekauft, finde aber die Auswahl sehr gut.

    Den Waschsack werde ich mir als nächstes kaufen. Denn ich habe neulich gesehen, dass nur 2% des Mikroplastik im Meer von Kosmetika stammt (worüber ja gerade viel geredet wird) aber über 20% werden durch das Waschen von Plastik-Kleidung verursacht.

  2. Hallo Anne,

    ich finde ganz toll, wie viel Mühe du dir mit diesem Artikel gegeben hast und dass du deinen Blog dazu nutzt Themen wie Nachhaltigkeit anzusprechen.
    Viele andere präsentieren bloß ihre Outfits und nutzen den Blog um Werbung zu machen. Da finde ich deine Art zu schreiben und auch mal ernste Themen anzusprechen ganz besonders und sehr erfrischend.

    Mach bitte immer weiter so :)

  3. Guter Artikel Anne! Immer wieder komme ich gern hierher und lese Sinnvolles und Durchdachtes. Ich hab schonmal an Pampers geschrieben, dass ich mir von dort Windelfrei-Coaches und eine Stoffwindelkollektion wünsche.

    1. Hi Susann, danke dir für deinen Kommentar.
      In den letzten Wochen hab ich ebenfalls einigen Firmen geschrieben und eine App namens „ReplacePlastic“ benutzt. Die verschickt automatisiert vorgeschriebene E-Mails an die Hersteller von Produkten. Dazu muss man nur das Produkt scannen und dann wird dem Hersteller eine Mail geschickt, dass man das Produkt gern ohne Plastik oder mit weniger Plastik kaufen möchte.

      LG Anne

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